Achteinhalb Monate lang habe ich immer wieder die Frage nach der scheinbar omnipräsenten Insel gehört. "Warst du schon mal in Bali?!" Zum Entsetzen der vielen Indonesier musste ich bis Mitte April 2009 mit einem schlichten "Nein." antworten. Davor fing ich mich aber doch an zu fragen, ob auf diesem Eiland wirklich die Götter wohnen und was diese Insel so magisches hat, dass ein ganzes Land beim Klang dieses Names in ein träumerisches Seufzen verfällt.
Wie im vorigen Beitrag schon geschrieben, war im April meine Schwester Hanna für gut 14 Tage in Indonesien. Auch für mich war das etwas sehr besonderes. Knapp 9 Monaten habe ich niemanden von meiner deutschen Familie und Freunden gesehen und plötzlich steht da Schwester im Terminalgebäude des Regionalairports und wartet darauf ihren Rucksack vom Band zu nehmen. Zuerst war es wie eine trügerische Illusion, wurde dann aber mit einer freudigen und langen Umarmung wahr.
Erste Station war Salatiga. Durch Hannas Eindrücke, ihr Verhalten und vor allem ihrer Müdigkeit wurde ich stark an meine erste Zeit in Indonesien erinnert - man ist eigentlich nur müde, will nichts wissen und ist ziemlich planlos. Trotzdem haben wir ein schönes Osterfest hier erlebt und Hanna konnte viele meiner Freunde, Bekannten und Kollegen kennen lernen, sowie Impressionen von meinem Leben und meiner Arbeit gewinnen.
Nach vier Tagen in Salatiga hieß es dann auch für mich Kofferpacken. Es stand unsere 12-tägige Tour durch Indonesien an. Um das Fazit einfach mal vorne weg zu nehmen: Indonesien hat eine sagenhaft schöne und vielfältige Natur, in Strandnähe eine erbarmungslose Tropensonne, leicht zu unterschätzende Entfernungen zwischen den Inseln und ist in mit "Touristen-Dollar" gesegneten Gebieten kaum von europäischen Urlaubszielen zu unterscheiden. Am meisten wundert mich jedoch, dass Verkehrsverbindungen, Informationsbeschaffung, Hotels, Essen, etc in den Touristenspots problemlos und effizient funktionieren. Habe ich sonst noch nirgends in diesem Land gefunden.
Nun aber zur Reise, unser "Itenary" sah folgende Ziele vor:
- Yogyakarta und Borobudur, Zentral-Java
- Mount Bromo (Vulkan), Ost-Java
- Kuta Beach, Bali
- Senggigi Beach, Lombok
- Gili Islands (Schnorcheln), Lombok
- Seminyak, Bali
Da eine Beschreibung aller Ziele und Erlebnisse pure Spammerei wäre, lest sie doch einfach auf lonelyplanet.com durch - der Webseite des allwissenden Kultobjekts der Traveller. Jeder hat ihn, ohne ihn geht gar nichts! Sich selbst durchzuschlagen? Eigene Wege suchen? Ein Land aus seiner persönlichen Sicht kennen lernen? Mal das Gefühl der Verzweiflung und Verlorenheit haben? Gibts heute alles nicht mehr, denn man hat ja ihn, den Guru der fernen Länder ... seinen LonelyPlanet. Der gehegte und gepflegte Augapfel des modernen Individualtouristen.
Gut, ich gebe zu manchmal wars ganz hilfreich, sich einen von anderen Touristen auszuleihen 
Oder ihr wartet einfach, bis es die Bildergalerie zu der Reise gibt, da werden sicher auch ein paar Beschreibungen dabei sein.
Um zum Kern dieses Blogs - dem Tourismus - zurückzukommen im folgenden meine Top-Ten Liste der Erfahrungen, Erkenntnisse und Anekdoten, die für mich prägend an diesem Zeit waren (chronologische Reihenfolge):
- Bei großen touristischen Highlights zahlt der ausländische Besucher im Regelfall mehr Eintritt als der Indonesier. Eigentlich eine gute Idee, um an den Touristen zu verdienen, es aber dennoch dem normal verdienenden Indonesier zu ermöglichen diese Stätten zu besuchen. Die Spitze des Eisberges stellt dabei der Borobudur-Tempel da. Als Indonesier zahlt man 80 Cent, als Ausländer 10€ Eintritt. Bei meinem ersten Besuch habe ich die 10€ bezahlt, dieses Mal habe ich es durch geschicktes Vorzeigen verschiedener Immigrations-Dokumente und netten Worten geschafft den "Local" Tarif zu bekommen!!
- Hanna und ich kommen in Deutschland gerne mal zu spät. So war es dann auch beim Sultanspalast in Yogyakarta. Eigentlich hatte er Mittags um 14:00 Uhr schon geschlossen. Durch ein wenig Extratrinkgeld und Glück haben wir dann eine Privatführung genossen. Indonesisch Kenntnisse wirken halt doch Wunder, deshalb wars auch kein Problem, dass der Palastdiener nur Indo und Französisch sprach. Der Palast war echt beeindruckend und total anders als das bürgerliche und bäuerliche Java. Alles sehr prunktvoll, reich und märchenhaft. Hatte ich nicht gedacht, dass es sowas hier gibt...
- Holländer sind netter als ich gedacht hätte. Während der zweitägigen Bustour von Yogyakarta nach Bali sind wir mit einer deutschsprechenden, holländischen Anthropologin (Alter ca. 55 Jahre) ins Gespräch bekommen und es war wirklich sehr nett
Aber so Leute haben ja auch immer viel zu erzählen - hauptberuflich andere Völker zu studieren muss echt toll sein! - Morgens um 5:00 Uhr beim Bromo-Vulkan ist es auf über 2500m wirklich sehr kalt. War so wie ein Tag Winter mitten im Hochsommer. Allerdings war es nicht so kalt, dass ich mir einen Pelzmantel hätte mieten müssen, die uns dutzendfach von zuvorkommenden Indonesiern zum Mieten angeboten wurden.
- Endlich auf Bali angekommen sind Hanna und ich erstmal wie die Bilderbuch-Touristen - totalblauäugig - mittags um 12 Uhr an DEN Strand gegangen und haben die legendäre Atmosphäre an Kuta Beach aufgesogen. Mit strahlend blauem Himmel und genialer Brandung, mit bis zu 2 Meter hohen Wellen, schien das Touristenglück perfekt. Zwei Stunden später waren wir krebsrot und hatten einen Sonnenstich...
- Kuta Beach wurde hier jetzt schon mehrmals erwähnt. Was ist das eigentlich? - Der größte, berühmteste und älteste Surfstrand Asiens. Ein kilometerlanger und breiter Sandstrand mit oben beschriebener Brandung und atemberaubenden Sonnenuntergängen. Der ideale Platz für individuellen Massentourismus also. So hat sich hinter dem Strand über die Jahre ein bestimmt 5 km² großes Tourismusareal entwickelt. Hier reiht sich ein Hotel ans nächste, ein Surfshop an den nächsten Handicraft-Shop, eine Diskothek an den nächsten Nachtclub und selbst die Hardrock-Kette hat ein Hotel hier (gibts nur 3 auf der Welt). Von Restaurants und Cafes brauchen wir nicht zu reden. Kurzum: Das ist das Indonesien, was sich die Touristen gebaut haben. Ich war anfangs doch etwas geschockt und konnte auch die Motive der Bombenattentäter von 2002 ein wenig nachvollziehen. Wer aber das "richtige" Indonesien sucht, muss nur aus den Strandorten raus, dort gibts noch kleine Dörfer, viele Hindu-Tempel und wunderschöne Reisfelder.
- Von Bali aus sind wir dann nach Lombok (östl. Nachbarinsel) weitergeflogen. Wir hatten uns beide noch nicht recht von der unangenehmen Sonnenerfahrung erholt und so waren wir nach der Landung etwas plan- und lustlos. Und dann das absolut Unerwartete: Ein deutscher Tauchschulenbesitzer spricht uns an und fragt wo hier hin wollen. Sehr verpeilt antworten wir: "Keine Ahnung!". Und jetzt kommts, er hat uns dann einfach mitgenommen und uns in Senggigi (unser angepeiltes Ziel) ein paar nette Unterkünfte gezeigt. Einfach so, wollte nichts dafür haben - total geil!
- Die sicherlich spontanste Aktion des ganzen Urlaub war es ein Auto zu mieten und die Südspitze von Bali zu erkunden. Das Interessante an Auto- und Mopedmieten in Indonesien, dass mal wieder zwischen Touristen und Einheimischen unterschieden wird. Allerdings diesmal im positiven Sinne für die Touristen. Als Ausländer wollen sie nur ein gültiges Visum und eine Fahrlizenz sehen, dann geht der Spaß los. Als Indonesier musst man als Bürgschaft Geld und eine Identity-Card hinterlegen. Scheinbar trauen sich die Indonesier selbst nicht über den Weg

- Als Halbindonesier habe ich mich teilweise sehr komisch gefühlt, die Rolle des Touristen zu "spielen". Deshalb habe ich nach Situationen gesucht, wo man mal mehr als ein Verkaufsgespräch mit Indonesiern führen konnte. Gefunden habe ich es in einem Straßenladen in Kuta. Von zwei Jungs, die Touristen-Andenken-Ramsch für ihren Boss verhökern, habe ich erfahren, was die kleinen Leute in Bali über den Tourismus denken. Zunächst muss mal erwähnt werden, dass der eine aus Java kam, wie viele andere einfache Verkäufer auch. Die Balinesen sind sich oftmals schon zu fein für die ganz unteren Aufgaben der Tourismusbranche.
Klar, sie sind froh, dass die Ausländer so viel Geld da lassen, haben aber ansonsten haben sie nicht viele gute Haare an den Touris gelassen. Im speziellen an den Australiern. Der eine meinte allerdings, dass ihn jeden Sommer eine hübsche Australierin "besuchen" kommt. Solch eine Aussage auf Java wäre eine Kulturrevolution gewesen. Ich glaube schon, dass die Menschen dort auch die vielen zwiespältigen Einflüsse unserer Kultur zu "schätzen" lernen. Beeindruckt hat mich ihr Sprachvermögen. Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch. Alles konnten sie auf dem Niveau, was man braucht um zu verkaufen und zu fluchen, wenn mal ein Deal nicht klappt. Abgerundet haben wir den Abend mit einem Bananenblatt voll Nasi Goreng. Gegessen wurde mit den Fingern. Indonesisch halt. - Mein persönliches Highlight war, dass wir am letzten Tag, einem Sonntag, einen Gottesdienst der Bali-Kirche besucht haben. In Rücksicht auf Hanna, waren wir in einem englischsprachigem. Eigentlich eilt der Bali-Kirche auf Java der Ruf voraus, dass noch viele Hindu-Elemente, wie aufwändige Fruchpyramiden oder kostümierte Geister-Tänzer, in den Gottesdiensten enthalten sind. Gefunden habe ich sie in dem englischen Gottesdienst dann aber nicht. Schön war es trotzdem mit ein paar ausländischen und einheimischen Christen nach dem Gottesdienst zu reden
Da wird mir immer wieder neu bewusst, wie groß, aber auch unterschiedlich das Reich Gottes ist.
Ein Schlusswort nach dem sicherlich ermüdend langen Artikel, Indonesien ist IMMER eine Reise wert und jeder wird einen anderen Blick auf das Land bekommen. Das oben waren meine, nach acht Monaten auf Java. Hanna hatte ganz bestimmt andere. Falls also irgendwas komisch erscheinen mag - kommt her und macht euch eure eigene Meinung!
Die Bilder werden noch ein paar Tage brauchen, da Hanna sie mir erst per DVD aus Deutschland hierher schicken muss.
PS: Was soll ich denn am 7. Juni wählen? Habe Briefwahl beantragt, aber keine Ahnung was bei uns da grad so läuft. Helft mir mal!!
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Nils - 22.05.2009 um 12:46 Uhr
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Hey Jochen!
Das hört sich alles so tierisch interessant und spannend an - da bekomm ich sofort wieder riesige Reiselust ![]() Naja, aber nur ganz kurz, weil jetzt gehts wider ans große Weiterlernen^^ Also wenn du mal Zeit und Lust für eine politische Runduminformation hast, dann meld dich grad! Ich informier dich gerne ![]() Bis dann, lg, Nils |
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Matze - 18.05.2009 um 22:50 Uhr
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Hey Jochi ^^
dein Deutsch lässt schon bissl nach :-p Wegen Politik kann ich dir n bissl helfen, mache mir zur zeit auch paar Gedanken. Haste mal Lust zu skypen? Wenn ja mail mir grad Liebe Grüße Matze |
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